1660 – Andreas Cellarius, Himmelsatlas Harmonia Macrocosmica

Das opulente Kartenwerk erscheint als siebter Band der Atlas-Serie, die durch Johannes Janssonius (1588-1664) in Nachfolge und Vollendung des weltkartographischen Totalprogramms von Gerhard Mercator (1512-1594) in Amsterdam herausgegeben wird. In 29 doppelseitigen Großformat-Bildtafeln dokumentiert und illustriert Cellarius (1596-1665) einschlägige Himmelstheorien (darunter Aratos, Ptolemäus, Kopernikus und Tycho Brahe), um sie sowohl untereinander als auch mit dem christlichen Weltverständnis in Zusammenklang zu bringen. Wie sein kartenästhetisch überwältigendes, inhaltlich aber mehr von ptolemäischen und christlichen Traditionen als von neueren Fernrohr-Erkenntissen geprägtes Überblickskompendium, in dem geozentrische und heliozentrische Interpretationen astronomiegeschichtssynoptisch (und entsprechend unvermittelt) nebeneinanderstehen (so wie die epochalen Astronomen auf dem Titelkupfer), im geplanten, aber nie erschienenen zweiten Band zu kosmischem Einklang zu führen gewesen wären, bleibt ungewiss – Ende 2024 veröffentlicht Raoul Schrott den Monumentalband Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit, der den kosmokartographischen und kosmologischen Buch-Synopsen-Ansatz der Harmonia in den beigefügten Sternbildkarten von Heidi Sorg formal wiederaufnimmt, sich statt auf astronomische Aspekte aber auf die dichtungs-mythologischen Sternkonstellationsdeutungen durch verschiedene Kulturkreise, etwa der Tuareg, der Maya oder der Inuit, konzentriert. — JU

 

Literatur/Quellen:

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